Ein Fotoshooting in Berlin

Wenn man es nicht selbst erlebt hat, könnte man es für erfunden halten…:-)

Aber jedes Wort ist wahr. Es trug sich vor etlichen Jahren zu. Ich befand mich zu der Zeit in der FOTOCOMMUNITY. Sie war zu dem Zeitpunkt schon sehr groß, doch die Bilder die hoch geladen wurden, bekamen noch die Aufmerksamkeit, die ihnen gebührte. Sprich, fast jedes meiner Bilder erreichte 30 oder mehr Comments. Wie viel Stunden ich dafür opferte, auch Bilder anderer Fotografen ansah, mir meine Gedanken machte und zurück kommentierte, kann ich heute nicht mehr zählen. Es waren unendlich viele. Wenn ich heute darüber nachdenke wird mir schwindelig… was hätte ich mit all dieser Zeit noch alles anfangen können. Im Zweifel bessere Bilder machen, statt mir jedes mal vorzuwerfen ich sei ein schlechter Fotograf, nur weil mal die Comments ausblieben. Zum größten teil bestanden diese ja doch nur aus zwei, drei Worten… sie brachten mich kein Stück voran. Die Jagd nach einem Platz in der ach so berühmten Galerie nahm so viel Zeit von mir in Anspruch, dass ich meine häuslichen Pflichten vernachlässigte, und somit einiges an Unbill seitens meiner Frau auf mich nahm. Für was? Für einen Commentar, der wie alle anderen auch nur eine leere Worthülse war…

Sechs Jahre hielt ich es in dieser Community aus – was danach geschah ist eigentlich eine neue Geschichte, die erzähle ich aber ein anderes mal. Während der Zeit in der FC lernte ich einen Fotografen und „Modelcoach“ irgendwie ziemlich hochtrabend diese Bezeichnung für jemanden der hobbymäßig Mädchen fotografiert und diese zum Posen anleitet… Doch was will man nicht alles sehen wenn man geblendet ist.

Ich fand seine Comments sehr schmeichelnd und so kamen wir zunächst nur per PN ins Gespräch, später über das Telefon und irgendwann befand ich ich mich auf dem Weg nach Berlin. Hinten im Kombi meine komplette Blitzanlage. Welcher Teufel ritt mich da… Ich verpasste im Dunkeln – es war Dezember – die Abfahrt zu meinem Ziel und fuhr einen Umweg über Hamburg.

Es nieselte unentwegt, meine Stimmung sollte eigentlich eher fröhlich sein, ich durfte zwei Mädchen fotografieren, die ich mir bei ihm „aussuchen“ durfte. Hanje (14) und Maria (15), doch irgendetwas beunruhigte mich, ich wusste nur nicht, was es war… das Unbekannte, der Fotograf in Berlin Hellersdorf, von dem ich nur wusste, dass es in der Gegend von Marzahn lag – also im Osten von Berlin. Langweilige Plattenbauten kamen mir in den Sinn, wie mochte es dort aussehen, wo ich mich einfinden sollte. War da überhaupt ein Studio vorhanden?

Ich wurde immer unruhiger und je näher ich Berlin kam, sesto mehr zitterten mir die Hände. Kaum, dass ich das Lenkrad halten konnte. Ein Navi gab es damals noch nicht, ich fuhr nach Straßenkarte und bis ich mein Ziel erreicht hatte verfuhr ich mich gefühlte hundert mal…

Doch da stand ich num und schaute auf die graue Fassade, des Plattenbaus und fragte mich zum ersten mal laut was ich eigentlich hier wollte. Doch keiner gab mir eine Antwort. Mit gemischten Gefühlen ging ich auf den Eingang zu, stieg die fast endlosen ausgetretenen steinernen Stufen zu seiner Wohnung empor. Es roch ziemlich muffig in dem Treppenhaus und je näher ich der Wohnung meines Gegenübers kam, desto mehr roch es nach – Fisch… (??)

Ich klingelte klopfenden Herzens und die Tür wurde geöffnet. Ich trat einen halben Schritt zurück – was eigentlich ungewöhnlich ist, denn normalerweise passiert dies immer beim Anblick des Gegenübers bei mir… Nun ja… mein Gegenüber hatte völlig von Mehl eingestaubte Hände und Arme und rief fröhlich:

„Komm rein, setz dich. Es gibt Forelle gebraten… “

Und er wandte sich wieder seiner Fische zu… Nebenbei erzählte er mir wie das nach dem Essen ablaufen sollte.

Zum Essen würden Maria und ihre Mutter erscheinen und danach sollte ich dann mit dem Fotografieren beginnen.

„Und wo soll das Ganze stattfinden?, fragte ich etwas unsicher…

„Hier bei mir… im Wohnzimmer…“

Wohnzimmer nannte er diese kleine Zelle… und da sollte ich meine Blitzanlage aufbauen? Ein kleiner Scherz – oder?

Nein, das war keiner – er meinte es ernst.

Nach einer kurzen Zeit klingelte es an der Tür und er sagte, ich möchte doch bitte aufmachen, er sei viel zu engesaut. Gesagt, getan und vor mir stand Maria mit ihrer  Mutter Peggy.

„Kommt rein, sagte ich“, ihr kennt Euch doch sicher aus?“

„Nein, wir waren noch nie hier“, bekam ich zur Antwort… und ein weiteres mal fragte ich mich was hier eigentlich gespielt wurde. Doch ich ließ mich ab jetzt überraschen.

Nach einer Zeit der Zurückhaltung wurde es dennoch eine lustige Runde am Tisch. Doch ich schaffte es noch nicht, Maria aufzutauen.

IMG_1639Mit gemischten Gefühlen baute ich meine Blitzanlage auf, wie ich mich, geschweige denn das Modell sich da bewegen sollte, war mir schleierhaft. Dieser Mann war irgendwie „schmerzfrei“… Doch ich machte das Unmögliche möglich. Das Licht ließe sich sehr gut einrichten und Maria taute sehr bald auf und so wurde das Shooting lockerer und lockerer. Es fing sogar an, mir Spaß zu machen und bald hatten Maria und ich die Umgebung und auch die zwei weiteren Menschen im Raum völlig vergessen.

IMG_1640 IMG_1641 IMG_1642 IMG_1643 IMG_1644 IMG_1645 IMG_1646 IMG_1647 IMG_1648Die zwei Stunden, die für das Shooting veranschlagt worden waren vergingen wie im Flug und ich fand es jetzt sogar schade, dass Maria gehen musste. Doch es wartete ja noch ein anderes Mädchen auf ein Shooting. Schweren Herzens ließ ich Maria gehen, wir hatten uns gerade so gut aneinander gewöhnt… aber es sollte später noch vieles hinterher kommen…

Und so sah es dann aus: VORHER und NACHHER. Ich denke mal ich habe alles richtig gemacht. 🙂

IMG_1649Es war nun schon recht spät geworden und ich sollte nun noch Hanje fotografieren. In der FC nannte sie sich „Persia Princess“. Sie war tatsächlich aus dem Iran, 14 Jahre jung und wir sollten sie vom nächsten U-Bahnhof abholen. Das war nicht weiter schwierig, wir rein in die U- Bahn und hin zu ihr… ich staunte nicht schlecht als ich das 1, 54m kleine zierliche Wesen erblickte. Sie fiel allein schon wegen ihrer üppigen Haare auf: schwarz dicht und sehr lang. Sie war gerade dabei, wie sie einen Passanten interviewte für eine Klassenarbeit, wie sie mir später sagte. Es war 20.00 Uhr und da ging dieses kleine Wesen mit einem Kassettenrekorder und Mikrofon auf Meinungsumfrage… Es musste an Berlin liegen – ich hätte mich das in dem Alter nie im Leben getraut.

Wir drei gingen dann anschließend noch in einen Supermarkt um einige Kleinigkeiten – insbesondere getränke – zu kaufen.

Hanje war sofort am Ball… Sie nahm nur eine kleine Mahlzeit zu sich und fing dann sofort an mit ihren bestimmt schon lange eingeübten Posen… Eigentlich wollte ich das gar nicht so… Aber ihr „Coach“ hatte sie mit Sicherheit genau dazu „gedrillt“… Wir machten dann auch nicht mehr lange – Maria hatte mich schon sehr vereinnahmt – ich musste ständig an sie denken…

Das es ihr genauso ging erfuhr ich aber erst sehr viel später und das mit einer großen Überraschung, mit der ich niemals gerechnet hatte…

Ich übernachtete also in Berlin und wir wollten gegen 10.00 Uhr die Arbeit erneut aufnehmen. Denn so richtig befriedigt war ich nicht mit den Bildern…

Am nächsten Morgen wachte ich mit einem scheußlichen Gefühl um die Magengegend und mit irren Kopfschmerzen auf. Ich wollte das Shooting schon absagen, doch der Fotograf schaffte es irgendwie mich wieder zu überreden… allein schon Hanje zuliebe… also nahm ich mich zusammen und wir begannen nach einem reichhaltigem Frühstück – das muss man ihm lassen – mit der Arbeit. Auch jetzt fand Hanje sehr schnell in ihren Stil hinein… aber leider nicht hinaus… Ich nahm es mit Humor… und gegen Nachmittag verstaute ich meine Blitzanlage wieder ins Auto, verabschiedete mich von den Beiden – wobei ich bei Hanje wohl einen tollen Eindruck hinterlassen hatte – denn Jahre später schwärmte sie immer noch von diesem Shooting.

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Mittlerweile ist sie tatsächlich unter Vertrag in einer Modelagentur – wie sie das geschafft hat – weiß ich allerdings nicht… war sogar schon im Fernsehen zu sehen in dieser Klamottenkiste von Berlin Tag und Nacht… Sie ist aber bis heute meine Persia Princess geblieben… 🙂

Und heute sieht sie so aus: 🙂

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2 Gedanken zu „Ein Fotoshooting in Berlin

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