Drama am Morgen

Dienstag 07.15 Uhr… Völlig abwesend versuche ich die Augen zu öffnen –

„Kannst Du bitte den Notdienst von Heldt – das ist unser Tierarzt – anrufen, ich habe ein kleines Kätzchen gefunden… Sie lag mitten auf der Straße, lebte noch und alle Autos sind immer über sie rüber gefahren…“

Immer noch völlig schlaftrunken kriege ich nur die Hälfte mit, ziehe mich an und spritze nur ein paar Tropfen Wasser ins Gesicht… Vernehme die Stimme unserer Nachbarin:

„Ohhh, wie Sünde.. „

Aha… Sabine hat also wieder eine Katze gefunden… mitten auf der Straße auf dem Weg zur Arbeit…

Während ich mir die Zähne putze werkelt sie im Keller herum, um die Transportkiste für’s Kätzchen fertig zu machen… ich bin immer noch im Bad, während sie die Notdienst – Hotline anruft.

Eigentlich sollte ich das doch machen…

Boah – denke ich – wat is dat denn… Der kleine Stubentiger hat aber ne kräftige Stimme!

Und wie ich sie mir so ansehe: Grau getigert bis zur Schwanzspitze erscheint es mir, dass sie noch mal davon gekommen ist. Notfälle sehen bei mir etwas anders aus.

„Du kannst um 8.00 Uhr da sein, also in einer halben Stunde.“ höre ich Sabine noch sagen, als ich weiterhin nachdenklich über der Box hänge und das Kätzchen vorsichtig streichele…

Also gut –

Box ins Auto verfrachten und ab geht’s zum Tierarzt. Ohne zu fragen, wem gehört die eigentlich?

Wer bezahlt die Behandlung?

Aber so waren wir immer – Katzen nehmen bis heute immer noch eine ganz besondere Stellung in unserem Leben ein. Seit Shizo Suhakes Tod, mehr denn je. Bis heute konnten wir es nicht übers Herz bringen ihre Überreste (sie wurde in einem Tierkrematorium verbrannt) zu beerdigen. Irgendwie ist sie so immer noch bei uns… Ihr Geist – wer weiß…

Mittlerweile haben wir Dauerbesuch von Willy, dem Kater von nebenan, und Otzi – keine Ahnung wem die gehört – aber sie schaut immer wieder mal rein, frisst etwas und legt sich am liebsten auf die Couch im Fotostudio schlafen. Oftmals kriege ich das gar nicht mit, bis ich sie dann irgendwann wieder „befreie“ – wenn ich mal zufällig die Tür öffne…

Hört sich jetzt schlimmer an als es ist – 🙂 das kommt am Tag öfter vor..

Jo, da sitze ich nun und hänge in der Tierarztpraxis meinen Gedanken nach. Ich muss noch ein wenig warten, dann steht auch schon der Katzenkorb auf dem Behandlungstisch.

Vorsichtig entnimmt die Ärztin das noch kleine laut maunzende Fellknäuel der Box, legt sie auf den Tisch und tastet das protestierende Tierchen ab. Auf den ersten Blick ist von geborstenen Knochen nix zu fühlen – mir fällt ein Stein vom Herzen – aber sie hat eine Gehirnerschütterung und ein wenig Blut um das kleine Schnäuzchen-. Dagegen bekommt sie nun erst mal etwas verabreicht und ein Beruhigungsmittel – denn es geht zum Röntgen.

Derweil unterhalte ich mich mit einer Assistentin über die ganzen Katzen, die uns in Atem halten, auch über Schizo, deren Tod mir fast näher ging als der Tod meiner Mutter – und es kamen während der Unterhaltung wieder sehr viele Bilder hoch, die mich dann doch schlucken lassen mussten –

Gott sei Dank klingelte vorn am Tresen das Telefon und die Assistentin verließ den Raum…

„Also“, begann Frau Heldt, als sie vom Röntgen zurück kam „gebrochen ist definitiv nichts, sie hat auch schon Reaktionen gezeigt, die das ausschließen, allerdings müssen wir ihr zwei Hautfetzen zusammentackern… hmm… ja und dann möchten wir sie noch eine Weile zur Beobachtung hier behalten… Sie schläft jetzt und ich glaube, das ist auch das Beste für sie… Ruhe… „

Ich atmete auf – Gott sei Dank… dann verabschiedete ich mich und fuhr wieder Richtung Heimat.

Wo ich erst einmal auf einen Anruf warte…

Was jetzt weiter geschieht? Hm – ich denke, das Übliche… Halter wird gesucht, Tierheim verständigt, ob sich schon irgendwer gemeldet hat, Vermisstenanzeige aufgegeben…

Aber am liebsten würde ich sie behalten…

Vielleicht weint aber auch schon ein kleines Mädchen um dieses Kätzchen…

Wer weiß…

Stay tuned

Letzter Status nach Anruf der Tierärztin um ca. 19.30 Uhr: So ganz scheint sie nicht ohne Blessuren davon gekommen zu sein. Die rechte Vorderpfote wird durch eine Nervenlähmung beeinträchtigt…

Stay tuned…

Mittwoch 16.09.14 Nachtrag

Frau Dr. Heldt rief mich eben an und gab den Status des Tieres durch. Das Kätzchen hat die Gehirnerschütterung gut weg gesteckt und auch sonst gibt sie sich sehr agil. Sie möchte gern laufen, kann aber nicht, weil die Nerven zu ihrer Pfote gekappt sind. Es wurde eine Magnetfeldtherapie angewandt die aber nicht zum Erfolg führte. Und es wird wohl so traurig wie es ist auf eine Amputation des gesamten Beinchens hinaus laufen. Sie wird jetzt noch zwei Tage in Behandlung und Beobachtung bleiben bis sich Näheres sagen lässt.

Ungeachtet dessen werde ich mich jetzt auf die Suche des Halters machen…

Stay tuned…

11.50 Uhr… Die ganze Gegend um den Fundort nach einem verloren gegangenem Kätzchen abgefragt – Negativ… Niemand vermisst einen kleinen Stubentiger…

18.00 Uhr… Sabine teilt mir mit, dass ihr Arbeitskollege noch eine Suchmeldung bei Facebook und e-bay geschaltet hat. Mal sehen…

Kurze Zeit später ist ihr eigentlich schon klar, dass sie die Kleine behalten wird. Will sogar noch eine im gleichen Alter dazu nehmen, damit sie, wenn wir eben Beide arbeiten sind nicht so allein ist. Auch die Wohnungseinrichtung ist in ihren Gedanken schon ein wenig geändert worden…:-) Kratzbaum hier, Jalousien weg, und etwas anderes hin, damit sie mal unten, mal oben drüber nach draußen schauen können. Ernährungstechnisch hat sie sich auch schon schlau gemacht, aber da kenne ich auch ein bezauberndes Wesen, die mir da bestimmt unter die Arme greift 😉 Doch nun warten wir erst einmal bis Donnerstag abend ab, wie wir uns entscheiden müssen, ob Beinchen ab oder nicht 😦 Arme Maus… ach nee, ist ja ne Katze… hihi…

Donnerstag 11.50 Uhr… Nachtrag

Frau Dr.Heldt ruft mich an um mir zu sagen, dass die kleine Tigerin einen großen Hunger und Durst beseitigen kann, aber… es sind ganz kurze epileptische Anfälle hinzu gekommen. Dies könnte jetzt von der Gehirnerschütterung herrühren und nachdem ein Mittel dagegen gespritzt worden ist, wird sie bis zum späten Abend noch beobachtet. Es kann sein, dass sich das im Laufe der Zeit abschwächt, aber auch das Gegenteil könnte eintreffen. Sollte dies der Fall sein, würde sie einen Start ins Leben für so ein kleines Wesen nicht befürworten… Wir, Sabine und ich, werden uns nachher mal alles genau anhören und sie dann zunächst zu uns nehmen. Ist schon ein trauriger Fall… Seufz…

18.00 Uhr bis 19.30 Uhr

Wir müssen erfahren, dass Diggles, wie ich sie nun getauft habe, ein großer Liebling in der Praxis geworden ist. Alle haben sie lieb… Sie ist der reinste Sonnenschein. Eine Assistentin trägt sie oftmals in einer Art Känguruhsack umher. Angeblich ist sie darin auch schon des öfteren während des Tragens eingeschlafen… Auch ich sehe ihr heute zum ersten Mal seit dem Unfall richtig ins kleine Schnäuzchen. Nein, wie süß sie ist… Kein Wunder, dass sie so beliebt ist. Wir dürfen uns mit ihr in einem Behandlungsraum ganz allein beschnuppern. Und das hat richtig Zooom gemacht… Auch wenn sie währenddessen zweimal einen ihrer gefürchteten Anfälle gehabt hat…  Sie hat sich sofort in mein Herz geschnurrt… Wir haben dann auch in der Zeit, die wir miteinander hatten, versucht ihr beim Aufrichten zu helfen – einmal hat’s geklappt, fast 50cm ist sie „gegangen“ so gut wie es ging… denn die rechte Vorderpfote war in einem Stützverband, der ihr eher hinderlich als helfend war… Frau Dr. Heldt hat diesen dann auch wieder entfernt. Irgendwann haben wir sie wohl mit unserer Liebe ermüdet – 🙂 sie schlief einfach ein. Ich konnte nicht glauben, dass eine Katze in so einer unbequemen Lage in der sie sich befand, schlafen konnte, aber sie tats… ruhige Atemzüge waren zu sehen… Diese Situation benutzte Frau Dr. Heldt um eine Bioresonanzdiagnose zu erstellen. Wirkt wie ne Art Pendel… Ein paar Haare werden in das eine Teströhrchen eingebracht, verschiedene Proben von Medikamenten in andere und dann spult ein Programm alle möglichen Parameter ab, die der Katze fehlen könnten – oder die ihr gar nicht gut tun würden. Eine echt interessante Vorgehensweise. Das Pendel schlägt dann von vorn nach hinten aus, was sie nicht braucht – und von links nach rechts, bie dem was sie braucht. Danach wird eine Art Wirkungsfeld um sie gebaut und das Gerät spult ca. 8 Minuten das Programm ab, was sie benötigt, in unserem Fall auch die Aktivierung der rechten Gehirnhälfte und zwei andere Dinge… war viel zu spannend um mir das zu merken. Ob es was gebracht hat – liegt entweder in unserer Phantasie oder darin begründet, dass Diggles ziemlich KO war… denn irgendetwas tat sich da während der Behandlung… oder sie hat einfach nur geträumt – vom Mäuse jagen auf einer sonnenüberfluteten grünen Wiese – wer weiß… WIR Geben die Hoffnung jedenfalls noch nicht auf. Freitag nachmittag werde ich sie nach Hause holen, erst einmal nur über das Wochenende, es hängt alles an dem seidenen Faden der epileptischen Anfälle… häufen sie sich, gibt es keinen Ausweg… aber das will ich jetzt noch gar nicht wissen…

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4 Gedanken zu „Drama am Morgen

  1. Haben selbst auch drei Katzen und schon so einiges damit durchgemacht, von Gelbsucht über diverse Viren bis hin zu einer verstochenen Injektion die unsere Gina für 2 Tage das Hinterteil lähmte…
    Trotzdem sind sie unser ein und alles und geben uns auch sehr viel zurück!

    • THX Florian, für Dein Mitgefühl. Und ja, das mit dem zurück geben, das unterschreibe ich Dir… Sie kennen keine Hinterlist, keinen Argwohn, kein Neid und sie lügen nie… Bessere Freunde kann man eigentlich gar nicht haben…

  2. Huhu ihr lieben.
    Das ist toll schucky. Bin stolz auf euch das ihr das macht mir der kleinen. Mach bitte ein Foto Hihi. Mut der kleinen wird ihr viel Spaß haben. Sie wird euch danken. Mit ihr liebe zu Neigung. Macht weitet so. 😃

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