1993 war’s…

… da bin ich mit meiner funkelnagelneuen Minolta 700si, stolz wie Bolle in das Aquarium in Kiel gefahren um mal zu probieren, wie das geht – Fische zu fotografieren. Ich hatte mich damals für den Fuji Reala 100 entschieden, einen Farbnegativfilm und schraubte mein Sigma 2.8/28-70mm drauf. ISO 100! Wenn man es sich heute überlegt – das ist da scheißdunkel in so nem Aquarium – zumindest für die ISO 100… dann bewegen die sich auch noch. Manche nicht sehr schnell, andere dafür um so schneller. Da steht also Klein Reinhard mit seiner glänzenden 700 si und weiß nicht so recht, wie er das jetzt bewerkstelligen soll. Mal probieren… Ganz ran an die Scheibe mit der Linse um Reflexionen zu vermeiden. Und schon die erste Schwierigkeit: keine Bewegungsfreiheit. Du kannst da nur stehen und abwarten, dass was vorbei schwimmt. Nun, das ist ja auch nicht so schwer, es sind ja keine Riesenflächen, die da mit Wasser gefüllt sind. Mit ein wenig Geduld auch zu meistern. Ich hatte mir den Rotfeuerfisch ausgewählt. Den wollte ich jetzt bildlich fangen. Und schon wieder ein Handicap: Das Glas… die Scheiben… verzerrten aber auch wirklich alles. Seufz… man sollte wirklich selbst tauchen… Joa… irgendwann kam ich auf den Trichter, dass ich vielleicht einen Tungsten (Kunstlicht-)Film hätte nutzen sollen. Doch das fiel mir dann erst ein, als ich die Abzüge aus dem Labor bekam. Alle Blau…

Ja, ich gebe zu und sage es auch denjenigen, die noch nie analog fotografiert haben: Es ist ein Segen, den Weißabgleich grob umreißen zu können, geschweige denn in der RAW-Entwicklung selbst zu bestimmen. Es ist ein Segen, sofort kontrollieren zu können, ob die Belichtung und auch sonst alle Parameter gesessen haben, ob die Schärfe vorhanden ist… Um so mehr frage ich mich allerdings, warum immer noch so viel Ausschuss an Bildern gesammelt und hoch geladen wird…

Dieses Bild hatte noch ein anderes Problem: Staub! Obwohl ein Farbabzug und in einer Plastikhülle; Staub, Staub, Staub… Für so ein Bild bist Du dann erst einmal eine halbe bis drei viertel Stunde am Stempeln… Und dann kommen da so einige Spezialisten und wollen Dir was erzählen über die ein, zwei, drei „Sensorflecken“ die sich in einer digitalen Datei verirrt haben – Kinderkacke…

Und dennoch: Ich liebe analog. Es ist nicht so aalglatt – so irrsinnig klinisch rein. Es hat seine Macken – ich liebe es dafür.

Heute blätterte ich in alten Aktaufnahmen – natürlich Prints. Es ist etwas völlig anderes… Bilder anschauen auf dem PC – ganz klar: Unglaublich einfach, bequem und hat man ein Notebook oder Tablet, kann man sie bequem überall mit hinnehmen. Aber – es hat nichts, aber auch wirklich gar nichts damit zu tun, wenn Du Deine Sammelmappe aufmachst und die Bilder einzeln auf den Tisch legst. Es ist, als wäre eine längst vergessene Aura im Raum. Deine Erinnerungen sind sofort da… wie Deine Hände gezittert haben, als Du den ersten Film eingelegt hast. Wie sie Dich angesehen hat, scheu und nicht wissend, was kommt. Und sie nicht wusste, dass du das gleiche dachtest… das erste Mal Akt…

Und es war nicht möglich die, falls vorhanden, Unebenheiten der Haut zu retuschieren – zumindest nicht als Amateur ohne Laborerfahrung und schon gar nicht in Farbe. Heute lachen sie darüber… es gibt doch PS, Gimp… und trotzdem wissen sie nicht was sie tun, weil sie es nie gelernt haben – Dodge and burn – früher, nachbelichten und aufhellen… Die Werkzeuge sind vielen unbekannt – aber PS in der neusten Ausgabe auf dem Rechner…

Ein Rotfeuerfisch… analog und absolut nicht perfekt. Aber er hat mir damals einiges beigebracht…

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2 Gedanken zu „1993 war’s…

  1. … und wie oft dachte ich von einem Bild, das ist bestimmt toll, und irgendetwas an den Einstellungen der Kamera hatte ich dann doch nicht ganz richtig berücksichtigt, und hätte ich Nachhinein heulen und fluchen können, auch weil ich NICHT 23 Filme durchrattern lassen könnte, und denken könnte ich such mir dann mal eines aus. Und dennoch, wie Du so schön sagst, war es toll, und spannend, wenn die Bilder dann nach einigen Tagen erst kamen. Spannung und wunderbare Vorfreude…

    • Du sagst es! Und genau aus diesem Grund schnappe ich mir immer noch die Minolta, fotografiere meist ein, zwei Filme voll, gebe sie im Fotoladen ab (Du glaubst es nicht, es ist noch gar nicht so lange her, da fragte das Mädchen hinter’m Tresen was das ist, ein Film, und wo der denn jetzt hin gehen sollte…)
      und warte heute die doppelte bis dreifache Zeit auf die Rückkehr dessen. Die Zeiten haben sich halt geändert. Aber die Spannung steigt immer noch bis zum letzten Tag des Erhalts an und meistens habe ich jetzt (!) alles richtig gemacht… 🙂

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