Buchvorstellung

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Einen Grund warum ich mir diesen Wälzer leistete war unter anderem die grandiose Schreibweise dieses Ausnahmefotografen und das Ausräumen von Mythen, denen auch ich bisher gehörig auf den Leim gegangen bin.

Zwei Mythen die immer wieder an uns Hobbyfotografen heran getragen werden sind folgende: Ich zitiere den Meister:

Der Mittelpunkt des Bildinteresses sollte ein Drittel von unten und ein Drittel von der Seite des Fotos platziert werden

Diese so genannte Drittelregel leitet sich aus einer fehlerhaften Studie eines Statistikprofessors der 1850er Jahre ab, der herausfinden wollte, was großartige Gemälde so großartig macht. Dafür beriet er sich mit mehreren Kunstkritikern und-historikern und wählte die vermeintlich schönsten 250 Gemälde aus. (Stellen Sie sich das einmal vor: Ein Statistiker ohne echten künstlerischen Hintergrund arbeitet mit Leuten aus der Kunstwelt, die wiederum keine Ahnung von Statistik haben. Da dürfte es von Beginn an einen Riss in der Kommunikation gegeben haben.)

Die Fragestellung bestand darin, wo das Zentrum der Aufmerksamkeit idealerweise liegen solle. Der Professor wusste, dass bei einer Aufteilung des Bildes in vier Quadranten das Zentrum des Interesses im statistischen Mittel  in der Bildmitte zu liegen käme. Also drehte er das jeweilige Bild so, dass sich das Aufmerksamkeitszentrum immer im unteren rechten Quadranten befand. Anschließend wendete er seine statistische Analyse an und war überzeugt, das damit zu Tage geförderte Resultat sei korrekt. War es aber nicht.

Denken Sie Sich nur einmal eine Linie , die von der unteren rechten Ecke bis zur Bildmitte führt. Die identifizierten Aufmerksamkeitszentren würden sich logischerweise gleich häufig über und unter dieser Linie verteilen. Diese Linie würde also exakt den Mittelwert darstellen. Da aber nun viele der Bilder ihr Aufmerksamkeitszentrum in der Mitte, wenig bis gar keine aber in der äußersten Ecke haben, liegt der Schwerpunkt entlang dieser Linie in Richtung Bildmitte.

Kein Wunder also, dass der Statistiker den Mittelwert entlang dieser Linie auf zwei Dritteln dieser Strecke als Schwerpunkt errechnet hat. Die Art der Analyse hat dieses Ergebnis impliziert. Mit anderen Worten: Das Ergebnis war durch die Methode vorherbestimmt! Ohne den Trick mit der Drehung des Quadranten hätte sich als Mittelwert das Aufmerksamkeitszentrum exakt in der Bildmitte wiedergefunden. Selbstverständlich entsprechen zwei Drittel dieser Linie aus der Ecke zur Bildmitte nun exakt einem Drittel in der Höhe und einem Drittel von der Seite. Das ist wissenschaftlich schlichtweg unbrauchbar, da es von Anfang auf einer dummen Fragestellung basierte. Erstaunlicherweise aber haben diese Fragestellung und die fehlerhafte Studie zu einer unbegründeten Kompositionsregel geführt.

Es kommt eben doch vor, dass Sie ein Objekt genau in der Bildmitte platzieren wollen, damit das Foto Stabilität, Stärke, Balance, Symmetrie oder vieles andere ausstrahlt. Manchmal aber wollen Sie vielleicht das Zentrum der Aufmerksamkeit (falls es eines gibt) nahe der Kante oder Bildecke legen, um dadurch ein gewichtigeres Ungleichgewicht zu erzeugen oder ein gewichtigeres Bildelement auf der anderen Seite auszugleichen…

Der Horizont sollte das Foto niemals halbieren.

Warum eigentlich nicht? Für diese dumme Kompositionsregel gibt es keine logische oder visuelle Begründung. Es kann sehr gut sein, dass bei einem bestimmten Bild die mittige horizontale (oder vertikale) Teilung die stärkste aller möglichen Kompositionen darstellt. Jedes Bild muss für sich anhand seiner eigenen Stärken angegangen werden. bevor man überhaupt mit der Bildkomposition begonnen hat, ist es sinnlos, den kompositorischen Ansatz bereits fest zu legen. Falls es überhaupt derartige Regeln gäbe, müsste man sie äußerst großzügig auslegen und trotzdem oft genug auch brechen, um zur eigenen Aussage zu gelangen.

Und dennoch gibt es Fotografen, die den Horizont aus keinem anderen Grund aus der Bildmitte heraus bewegen als dem, dass er das Bild ansonsten genau halbieren würde. Das ist reine Dummheit. Lassen Sie sich niemals von dieser sinnlosen Regel leiten.

Diese beiden absurden Kompositionsregeln werden mit schöner Regelmäßigkeit als bedeutsam heraus gestellt. Andere Regeln beruhen auf dem „Goldenen Schnitt“, der von Leuten stammt, die keine Ahnung von der rein mathematischen Grundlage dieses Verhältnisses haben, welches auf einer wissenschaftlichen Fragestellung von Euklid vor 2300 Jahren beruht. Der Goldene Schnitt hat überhaupt keine künstlerische Relevanz. In Wirklichkeit hat keine dieser mathematischen Überlegungen irgendeinen künstlerischen Wert.

Jedes Bild muss individuell nach seinen eigenen Stärken angegangen werden. Es bringt seine eigenen Regeln mit, die nur sehr selten auf das nächste Bild anwendbar sind. Manch einer geht davon aus, dass es sinvoll sei, die Regeln zu kennen, um sie bewusst brechen zu können. Da muss ich widersprechen. Wenn Regeln schon im Ansatz nichts taugen, sollte ihre Kenntnis nicht dazu zwingen, sie zu befolgen – aber dann können sie auch gar nicht bewusst gebrochen werden. Warum sollte man sich also mit so etwas unnötig belasten? Sie legen sich damit ohne Not nur Steine in den Weg.

Mein Ansatz lässt sich also am besten so zusammenfassen:

Es gibt keine Regeln

Einfach ein tolles Buch für Anfänger die noch nicht wissen, wohin die Reise gehen soll… hätte ich dieses Buch schon früher gehabt, ich hätte mir viel Ärger sparen können…

http://is.gd/NM9Bac

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8 Gedanken zu „Buchvorstellung

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