Seit…

… einigen Jahren schon dümpele ich mit meinen Akt- und Portraitfotos durchs wilde Web. Es war an der Zeit endlich mal den Style zu wechseln – oder zumindest einen neuen hinzuzufügen. Dazu bräuchte ich ein Modell welches sich unerschrocken mit mir auf die Reise begibt. Wer mich kennt weiß, dass ich keine potentiellen Modelle weder aus der Facebookriege, noch aus der ModelKartei oder vielleicht sogar Instagram -Schiene nehme oder gar bevorzuge. Ich suchte also ein Mädchen welches nicht gleich entsetzt aufschreit nur weil es erkannt hat: „Hilfe meine Schultern sind ja völlig entblößt, da kann man ja gleich denken ich wäre komplett nackt!“

Oweiha…

Da fasst man sich doch als Fotograf an den Kopf und fragt sich:

Ja… das ist so bei schulterfreien Kleidern. Und das der Bildschnitt nun gerade so gepasst hat mit dem Ausdruck und der „nackten“ Unschuld… das ist dann mal völlig egal. Das Bild – oder besser noch die ganze Serie wird verboten und in den Giftschrank gelegt. Basta!

So oder ähnlich erging es mir oft in den letzten Jahren.

Oder noch ein Beispiel:

Der Fotograf legt zwei völlig gleiche Bildnisse vor. Naja, fast. Das eine Bild zeigt eine junge Frau in einem Restaurant. Sie sitzt an einem Tisch und genießt offensichtlich ihre Spaghetti. Sie trägt ein schulterfreies Kleid. Darunter, wie man unschwer erkennen kann, einen schwarzen BH. Die Träger sind wie zwei dicke schwarze Striche auf die Schultern gemalt…

Das andere Bild zeigt die gleiche junge Frau nur diesmal OHNE diese denkwürdige „Zierde“, die jedes Bild versaut.

Was glaubt denn die Fangemeinde für welches Bild sich das neu gewonnene Modell entscheidet?

Richtig! Für das mit ohne diese schwarzen Balken.

So, und nun erkläre mal Deinem Gegenüber, dass du das genau aus diesem Grund genau so haben möchtest. OHNE BH. Weil es eben tausendmal besser ausschaut.

Doch das potentielle Modell ziert sich weiter. Aus welchen Gründen auch immer.

Völlig genervt beginnst du dann mit deiner Arbeit und lässt die verdammten Störungen mit PS oder einem anderen Programm verschwinden.

Es ist eine Möglichkeit, aber nicht die eleganteste. Vor allen Dingen kostet es Zeit.

Und so ist es kein Wunder, dass man als Fotograf langsam aber sicher anfängt von Mädchen zu träumen, die ein wenig mehr Verständnis für die Lage eines Fotografen aufbringen. Oder auch mal mehr Mut zu etwas anderem entwickeln. Seit 16 Jahren schon treibe ich mit Null Veränderung so vor mich hin. Dabei finde ich es gar nicht schlimm immer die gleichen Gesichter zu fotografieren, das ist Teil meiner Strategie.

Ich will ja Langzeitbeziehungen. Nur immer der gleiche Stil – nee… Es gibt auch noch etwas anderes als immer nur lieb in die Kamera zu grinsen.

Im Jahr 2015 gab es dann den Höhepunkt dieser Tragik-Komödie. Ich war so weit die ganze Knipserei an den Nagel zu hängen. Was für ein Scheiß Hobby…

Doch warum sollte ich etwas aufgeben, an das mein Herz hing… ich suchte mir Hilfe…

Ließ mich beraten, fragte was ich falsch gemacht hatte. War es überhaupt meine Schuld… Und und und.

Es war aus. Mein Feuer erloschen…

Seit diesem Gespräch habe ich kein neues Modell mehr gehabt. Auch verschiedene Bekanntschaften auf Parkplätzen (!) verliefen sich im Sande. Was für eine Ironie…

Vorweihnachtszeit 2016. Es kam nicht wie eine Gewitterwolke über mich, eher wie ein sanftes Grollen… Als wenn Thor mit seinem Hammer auf meine zukünftigen Bilder zeigen wollte. GOTHIC…

Wie denn das?

Unwillkürlich musste ich an Mathias aus unserem Fotoclub denken. Der war damit bestens unterwegs. War sogar schon im Fernsehen mit seinen Mädels. Und jetzt komme ich, ICH mit 57 Jahren auf so eine verrückte Idee?

Ich startete einige Anfragen in meinem näheren Umkreis, auch Kollegen, ob jemand Personen kannte die diesem Typus entsprachen und sich gern mal ablichten lassen wollten.

Hier und da kam etwas – aber im großen und Ganzen: Fehlanzeige!

Kurz vor Weihnachten passierte es dann: Ich verabredete mich, wie des öfteren im Jahr mit meiner Ex-Kollegin Silvie zum Kaffeetrinken in Kiel. Als sie eintrudelte und den Wagen geparkt hatte, stieg auch eine weitere Person aus, die ich nur flüchtig wahrnahm. Doch sollte gerade diese Person einen entscheidenden Eindruck auf mich hinterlassen.

Doch im Moment dachte ich überhaupt nicht weiter darüber nach.

Wir saßen uns also wieder einmal gegenüber und ließen die letzte vergangene Zeit Revue passieren und dann stellte ich die alles entscheidende Frage:

Du Silvie, ich möchte gerne eine Gothic fotografieren – ich will endlich raus aus diesem Scheißloch, in dem ich mich befinde. Kennst Du da eventuell Jemanden?“

Klar! Kairi ist eine… meine Kollegin. Soll ich sie mal fragen?“

Unbedingt!“

Tja…

Bis zu Silvies Geburtstag im Januar hörte ich nichts. Ich rief sie an ihrem Namenstag an um zu gratulieren. Und wir sprachen mal wieder über Dieses und Jenes… legten nach einiger Zeit wieder auf.

Verdammt! Ich wollte doch…“

Also noch mal die Nummer gewählt…

Naa? Was vergessen?“

Sag mal was ist eigentlich aus Kairi geworden?

Ja… sie ist einverstanden und möchte gern mit Dir arbeiten…“

Mein Herz schlug gleich ein paar hundert Takte schneller…

Und warum sagst du mir das erst jetzt?“…

Dummdidummdidummm… „

Ich ließ mir ihre Nummer geben und rief am nächsten Tag an. Dennoch sollten noch ein paar Tage vergehen bis wir endlich zueinander fanden. Wenn ich es richtig interpretiert habe, dann war sie sogar auf der Suche nach einem Fotografen.

Und jetzt kamen die Mächte des Unterbewusstseins ins Spiel.

Telefon bimmelt, ich nehme ab…

Schnucky…“

Hier ist die Kairi, Freundin von Silvie…“

img_1729So begann eine völlig neue Geschichte in meinem Leben und ein völlig Neues Kapitel in meiner Fotowelt.

Es gingen einige viel zu lang gefühlte Tage ins Land bis ich endlich mit ihr zusammentraf. Ich verabredete mich mit ihr im „Starbucks“ in Kiel. Keine Ahnung warum. Ich war da noch nie, man sagte mir nur allenthalben, nicht nur in Deutschland, dort würde es den teuersten und schlechtesten Kaffee geben.

Nein, ich hatte an etwas ganz anderes gedacht. Portraits im spiegelnden Glas. Ich kann mich noch gut entsinnen, wie man eben versuchte genau dieses mit Hilfe des Polfilters zu unterbinden. Heute ist es ein unbedingtes Must Have… Verrückte Welt.

Ich war schon einige Zeit früher dort. Nach ca. 15 Minuten und super pünktlich war dann auch Kairi anwesend.

Wenn Du denkst, Du bist die Einzige mit einem viel zu hohem Puls im Moment, dann muss ich Dich enttäuschen… und ich lächelte sie an…

Schon nach einer sehr kurzen Zeit gab sie mir das Gefühl: DAS passt!…

Gut zwei Stunden verbrachten wir im Starbucks. Die großen Kaffeetassen waren längst schon kalt geworden – so vertieft waren wir in den Ausführungen, was wir denn alles machen wollten… Und Kinners – Zieht Euch warm an… Das Ding wird heiß… sehr heiß… Und übrigens – soooooooooo schlecht schmeckt der Kaffee gar nicht.

img_1730Beim Nachhausegehen schoss ich noch ein paar schnelle Pics im Licht der Schaufenster… WIE LANGE HATTE ICH DAS SCHON VOR?

img_1728 img_1731 img_1733 img_1734 img_1735 img_1736Ich habe ein unglaublich gutes Gefühl, dass mal wieder einer meiner Träume wahr wird und das jetzt etwas entstehen wird, was ich bisher eigentlich noch gar nicht fassen kann.

Yeeehaaaa… 🙂

Auf ein gutes Gelingen Kairi… Ich vertraue auf uns…

 

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4 Gedanken zu „Seit…

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